Olivias offener Brief zur Ehrenbürgerschafts-Diskussion

Am Anfang hat auch Olivia selbst erst mal nur herzlich gelacht – und jetzt ist es sogar vielleicht schon mehr als eine Frage der Ehre: Nicht nur im niedersächsischen Springe (30.000 Einwohner) wird inzwischen über den Vorschlag diskutiert, der derzeit wohl prominentesten ›Tochter‹ der Stadt die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Nach vielen Anfragen meldet sich jetzt Olivia aus dem Urlaub mit diesem offenen Brief zu Wort, äußert Verständnis für die Gegner der Idee und lässt gleichzeitig tief blicken: 

Liebe Springer,

an mir scheiden sich die Geister und das ist auch gut so. Ich wollte schon immer polarisieren und eine Nagelprobe für Toleranz sein. Auch auf die Gefahr hin, manchmal vielleicht übers Ziel hinaus zu schießen.

Natürlich kann ich nicht verlangen, dass jeder versteht, dass in meiner lustigen Verpackung eigentlich eine ernste Botschaft steckt. Aber einige scheinen es doch erkannt zu haben. Darüber freue ich mich. Und ich hoffe, dass ich durch meine Arbeit und mein Anderssein am Ende doch mehr Menschen an-, als aufrege und Mut mache, das Leben zu leben, zu dem man sich hingezogen fühlt. Das ist es, worum es mir geht und worum es hier geht – oder wenigstens gehen sollte. Nicht um mich als Person sondern um die Dinge, für die Menschen wie ich stellvertretend stehen – in unruhigen Zeiten wie diesen:

Nicht nur in den USA, dem »Land of the free«, bringen sich Jugendliche um, weil sie wegen ihrer Andersartigkeit gemobbt werden. Ausgerechnet in Frankreich, der Wiege von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, gehen Menschen gegen die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare auf die Straße. Und in Russland ist es neuerdings sogar unter Strafe verboten, im Beisein von Kindern übers Schwulsein zu sprechen.

Mit mir als Ehrenbürgerin würde eine kleine Stadt wie Springe bestimmt ein großes Zeichen setzen. Für Toleranz und die Einzigartigkeit von Andersartigkeit. Womöglich sogar ein weltweites Zeichen, das in Zeiten wie diesen wieder bitter nötig scheint.

Die Zeit wäre also sicherlich reif. Aber ist auch die Gesellschaft schon reif genug, ein solches Zeichen zu setzen? Auf diese Frage, liebe Springer, müsst Ihr nun eine Antwort finden. Das ist alles andere als einfach – aber lasst Euch nicht entmutigen. Denn ganz egal wie die Sache mit der Ehrenbürgerschaft auch ausgeht:

Ich finde es schon klasse, dass überhaupt heute über so etwas wie mich als Ehrenbürgerin diskutiert werden kann. Selbst das wäre vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen. Es führt uns vor Augen, wie weit unsere Gesellschaft im Positiven bereits gekommen ist, aber auch, wie viel Arbeit immer noch vor uns liegt. Und es erinnert uns daran, dass Toleranz kein Zustand ist, den man nur einmal zu erkämpfen braucht, sondern etwas, was immer wieder neu definiert und verteidigt werden muss.

Und was in meinem Fall am Ende auch immer dabei herauskommen mag: Ich bin sehr stolz auf Euch, liebe Springer, dass Ihr mit der Idee und dem Mut, mich als Ehrenbürgerin überhaupt ins Auge zu fassen, jetzt als kleine Stadt an dieser großen Front mitstreitet.

Eure Olivia

28 Gedanken zu “Olivias offener Brief zur Ehrenbürgerschafts-Diskussion

  1. ich finds super.olivia hats verdient.sie ist wie sie ist und das ist auch gut so.

  2. wenn alle so denken würden ! es liegt an den eltern die toleranz sein sollten und zu ihren kindern stehen , ich bin stolz auf meine beiden söhne die in einer gleichgeschlechtlichen ehe leben so wie auf meine beiden schwiegersöhne !ich liebe meine kinder so wie sie sind

  3. Wenn die Springer Nein sagen, bleiben ja noch wir Hamburger…

  4. ich finde es toll wie sie ist und in springe bin ich aufgewachsen mach so weiter wie bisher gruß margot

  5. Wow, toll geschrieben Olivia….wäre ja ganz “nett” für Dich, aber die “Springer” sollen entscheiden….und egal oder diese bekommst oder nicht…ich finde Dich sowieso geil!

  6. Ich hoffe, das dein Brief, einige weitere Leute zum Nachdenken bringt, denn genau darum geht es und ich denke auch, das es Zeit wäre, dieses Zeichen zu setzen.
    Jeder Mensch sollte so akzeptiert werden wie er ist, egal welche Religion, Staatsbürgerschaft, Hautfarbe und sexuelle Orientierung er hat.
    Gerade Springe, wo es in den 80ern viele Streitereien zwischen Rechts und Links unter uns Jugendlichen gab, sollte damit ein Ende setzen.
    Ich bin sehr sehr gespannt, ob die Bürger von Springe so entscheiden werden oder wieder nur ein paar wenige “ältere” Politiker es abschmettern werden, nicht erkennend, welche Chance hier für Springe schlummert.

  7. Genau den punkt getroffen. Wenn nicht im Springe , denn hier in Stuttgart. Wir nehmen Dich mit offenen Armen!!!!

  8. Wow, ich kann mich dem nur anschließen. Ein wirklich durch und durch toll verfasster Brief. Wahnsinn.

  9. Ich drück dir die Daumen dass du ehrenbürgerin wirst. So erkennen hoffentlich die Menschen dass wir in einer modernen Welt leben in der es egal ist was man ist und wie man liebt und lebt. Mensch Leute, wir sind im 21. Jahrhundert und nicht mehr in der Steinzeit!

  10. Super Olivia, so muss das. Genau richtig geschrieben!
    Ich finde super, wie du denkst und wie du das in die große weite Welt bringen möchtest. Bunt, schrill und “anders”… genau so muss das!
    Mach weiter so und bleibt wie du bist!

  11. Liebe Olivia,
    Dein offener Brief sagt wirklich alles. Wir hoffen, dass Springe das erkennt. Wir sind Musiker aus Springe und haben mit unserer Band ,den DeisterJungens, ein Lied verfasst, welches wir in den nächsten Tagen im Internet veröffentlichen werden. Vielleicht können wir einen kleinen Beitrag dazu leisten, um den Bürgern zu erklären, wie wichtig eine positive Entscheidung zur Ehrenbürgerschaft wäre. Die DeisterJungens drücken die Daumen und hoffen Dich bald als Ehrenbürgerin unserer kleinen Stadt begrüßen zu dürfen.

    Herzliche Grüße
    die DeisterJungens

  12. Als Ex-Eldagserin (gehört zu Springe) würde es mich stolz machen eine Ehrenbürgerin wie dich zu haben.
    Und wer behauptet, ein(e) Travestiekünstler(in) hat nicht das Recht dazu, eine Ehrenbürgerin zu werden, der sollte bedenken, dass du eine Künstlerin bist und ich kenne in ganz Deutschland keinen einzigen Travestiekünstler, der es zu einer Berühmtheit geschafft hat, ohne dabei abzuheben.

    LG von einer Ex-Eldagserin

  13. Olivia, Deine Zeilen haben mich sehr berührt – Du kannst stolz sein auf Dich – und es gibt mehr Menschen als Du ahnst, die genauso stolz auf Dich sind – weil Du einfach Du bist! Danke dafür:-)

  14. Pingback: Neuer Ehrenbürger in Springe? | Völksen

  15. Hallo Olivia, Dein Brief hat mir auch sehr gefallen. Wir freuen uns schon auf Deinen Besuch hier in Springe und ich würde Dir gerne vor der Ortsratssitzung in der Grundschule einen roten Teppich ausrollen. Wäre das ok. für Dich?

  16. Thomas aus Hannover…

    ich kann nur von ganzem Herzen hoffen,dass Olivia
    als Ehrenbürgerin in der Stadt Springe aufgenommen wird.
    Verdient hat sie es!
    Hoffentlich sind die Springer Bürger mit Toleranz und Offenheit “gesegnet” und sehen dies genauso…

  17. Sie war in Springe aber leider nicht bei mir im Reisecenter Springe das freundliche Reisebüro im Bahnhof Springe. Es wäre lustig geworden.

  18. Wir haben es ja schon in unsere Bewertung geschrieben, aber auch hier noch einmal, in der Hoffnung, dass es auch tatsächlich von euch gelesen wird:
    Wir haben am Freitag, den 13.09. um 19:00 Uhr die Kieztour mit Eve gemacht, das war schon wirklich super. Eve ist echt nett und begeistert mit ihrer direkten, lustigen und leicht frivolen Art. Danach gngs dann in den Show Club und dort wurden unsere Erwartunen mehr als übertroffen, die Stimmung war von Anfang an grandios, die Showacts super und man hat sich total willkommen gefühlt. Olivia ging immer wieder rum und fragte nach, ob es gefallen hat und alles gut ist. Das und die lockere Art der anderen aus der Olivia Jones – Familie gab einem ein total persönliches Gefühl und es hat einfach nur Spass gemacht bei euch zu feiern. Es ist ganz toll und bemerkenswert, dass ihr diese Stimmung im Club aber auch bei den Safaris immer noch erzeugt, obwohl ihr das so lange macht und so einen Bekanntheitsgrad erreicht habt. Und auch der Rest eures Teams, wie DJ und vor allem die Kellner (wirklich Hut ab vor den Kellnern) sind einfach super! Ein toller Abend, an den wir noch ganz lange denken werden!

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