Große Freiheit – Tag des offenen Denkmals

Die Große Freiheit steht heute für Gastronomie und Unterhaltung. Dabei ist sie doch eigentlich viel mehr als das: Die »Keimzelle« St. Paulis und ein Denkmal moderner Unterhaltungskultur.

Was im 17. Jahrhundert mit Religions- und Zunftfreiheit begann, gipfelte in »einzigartig freien« Amüsierbetrieben, von denen manche sogar bis heute existieren – in direkter Nachbarschaft der denkmalgeschützten St. Joseph Kirche, einem katholischen Barockbau im protestantischen Hamburg.

Zum Tag des offenen Denkmals (Sonntag, 10. September 2017), präsentiert sich auf unsere Initiative hin die Große Freiheit bei Tageslicht von einer ungewohnten Seite:

Von 12-18 Uhr finden vom Beatlesplatz bis zur St. Joseph Kirche halbstündlich kostenlose Führungen statt. Tourstopps sind u. a. das Herrmann Bartels Haus, das Dollhouse, Olivias Show Club samt Backstage-Bereich, sehenswerte Hinterhöfe und die St. Joseph Kirche samt Krypta.

Rollups zeigen historische Fotos der Locations und Straße und im Vorhof zur Kirche bietet die Gemeinde für einen guten Zweck Kaffee und Kuchen an, Zeitzeugen stehen für Gespräche zur Verfügung.

Themen der Touren sind u. a. die Zeit der Zünfte und Glaubenskriege, des Chinesenviertels, der Beatles, Live Sex Cabarets und mehr.

Mit der Aktion geht es uns und dem BID Reeperbahn+ darum zu zeigen, dass die Große Freiheit viel mehr ist, als man heute vielleicht vermuten würde: Ort eines außergewöhnlichen Mit- und Nebeneinanders.

Große Freiheit – 400 Jahre Sex, Drags & Rock’n Roll

Nur 500 Meter lang, aber mehr als 400 Jahre Geschichte – selbst auf St. Pauli ist die Große Freiheit eine Besonderheit.

Als die Straße 1610 in der Stadt Altona angelegt wurde, war an einen künftigen Stadtteil St. Pauli noch nicht zu denken, schon gar nicht als Teil der scharfen Konkurrentin Hamburg. Ursprünglich war die Große Freiheit eine Gründung des Grafen Ernst zu Holstein-Schaumburg (1569-1622). Zu Beginn des 17. Jahrhunderts, als in Europa nach der Reformation Glaubenskriege tobten, erlaubte er verfolgten Katholiken, Mennoniten, Juden und anderen Glaubensfüchtlingen, sich am Rande »seiner« Stadt niederzulassen und dort ihre Religion frei auszuüben (daher auch der Straßenname).

Außerdem hob er für die Große (und die Kleine) Freiheit den Zunftzwang auf, sodass Handwerker, die in keiner dieser Vereinigungen Aufnahme fanden, trotzdem ihrem Gewerbe nachgehen konnten. Die »Leben und leben lassen«- Politik gab es aber nicht umsonst, sondern gegen Abgabe an die gräfliche Steuerkasse.

Dennoch: Das tolerante Klima in der Großen Freiheit war der geeignete Nährboden für deren erste Blütezeit. Die Straße wurde zu einem Mittelpunkt religiösen Lebens unterschiedlicher Konfessionen, die hier ihre Gotteshäuser errichteten. Markant waren die Kirchen der Mennoniten und der Katholiken, deren imposanter Barockbau St. Joseph bis in die Gegenwart erhalten geblieben ist (Große Freiheit 43).

Eine Blütezeit ganz anderer Qualität erlebte die Große Freiheit ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihre Gaststätten, Tanz- und Gartenlokale profitierten vom Wachstum Hamburgs und Altonas und dem Aufschwung St. Paulis zum städtischen Amüsierviertel. Die Große Freiheit wurde zum Vergnügungsboulevard, der bürgerliches und proletarisches, in- und ausländisches Publikum gleichermaßen anzog. Besonders mondän wurde es in den 1920er Jahren, als in der Großen Freiheit 11 mit dem Varieté Neuchina der Ferne Osten einzog. Das Lokal war ein beliebter Treffpunkt der kleinen chinesischen Gemeinde, die sich in der Nachbarschaft niedergelassen hatte (vor allem in der Schmuck- und Talstraße) und bekannt für seine hervorragende kantonesische Küche.

Schillernde Shows, zünftige Feste, Sex, Drugs und – Pferdereiten; auf der Großen Freiheit konnte man alles in nur einer Nacht erleben. Im »Dritten Reich« ging das Vergnügen weiter. Doch ob es bei »arisierter« Tanzmusik, bei Tanzverbot und Verdunkelung im realen Hippodrom (Große Freiheit 10-14) so heiter zuging, wie der singende Hans Albers im Film »Die Große Freiheit Nr. 7« (1943) glauben machen soll?

Nach Kriegsende erlebte das Amüsiergewerbe einen Boom, denn außer Unterhaltung gab es für die Reichsmark nichts zu kaufen. Das änderte sich mit der Einführung der DM 1948 buchstäblich über Nacht. Weil man nun lieber in lange entbehrte Konsumgüter investierte statt in einen Nachtclub-Besuch, hatten die Lokale Mühe, Gäste anzulocken.

Nackte Haut war eine Maßnahme und so schoss ein Striptease-Kabarett nach dem anderen aus dem Boden. Gerade in den prüden 1950er/-60er Jahre war da ein schlechter Ruf vorprogrammiert. Hinzu kamen Abzocker-Preise, Schlägereien, Überfälle – um die Großen Freiheit, um St. Pauli überhaupt, machte man jetzt lieber einen Bogen.

Schade für den, der sich abschrecken ließ und die Star-Club Nächte versäumte, in denen die halbstarke Jugend ihre Beat-Helden, allen voran die Beatles, feierte. Der sich nicht in die Live-Shows des prachtvollen Sex-Theaters Salambo traute und zu nüchtern für die psychedelische Musik im Grünspan blieb.
Heute hat sich das geändert. Die Große Freiheit ist mittlerweile mehr als »salonfähig« geworden, sich hier zu amüsieren, oder auch »nur« zu flanieren, ist kein »Hamburg-Souvenier« für den Koffer, sondern fürs Gemüt.


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